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“Solange ich lebe, wird die Liebe leben” von Dr. Gerti Senger #2

„Liebe machen“, wörtlich

 

Abgesehen von den unsicheren Erregungserfahrungen der Pubertät, können junge Menschen innerhalb von 30 Sekunden maximal erregt sein. Ein Paar in mittleren Jahren braucht etwa zehn Minuten, um sexuellen Appetit zu entfalten. Im reifen Alter dauert die volle Ausprägung einer sexuellen Erregung länger. Je älter man ist, desto mehr Zeit müsste man also der Phase vor dem eigentlichen Liebesakt widmen. Leider tut man es aber nicht, weil man von der Annahme ausgeht, sexuelles Tun sei nur durch bereits spürbare Geilheit berechtigt. Stimmt nicht. Umgekehrt sollte es sein! In den sogenannten „besten Jahren“ gilt der Volksspruch „Mit dem Essen kommt der Appetit“.

Manche Frauen wollen vor dem Sex streicheln, manche zärtlich reden, manche brauchen eine direkte Stimulation, manche wollen nur gehalten werden. Was die Eine erregend findet, kann die Andere völlig kalt lassen. Die sexuelle Erregbarkeit ändert sich mit den Jahren. Ein Erotikfilm, den Sie mit 25 uninteressant fanden, kann Sie vielleicht mit 60 antörnen. Eine Stimulation, die mit 30 langweilig war, kann in reifen Jahren das Nonplusultra sein.

Erregungszeichen nicht mehr unvermittelt wahrzunehmen, heißt nicht, dass es nun mit dem Sex aus zu sein hat. „Liebe machen“ ist als lebenslange Möglichkeit, sich seelisch und körperlich angenommen zu fühlen, wörtlich zu nehmen. Es kommt nicht auf Geilheit und multiple Orgasmen an, sondern auf das Erleben von Zärtlichkeit, Berührungsbehaglichkeit, Nähe und Intimität. Diese Erfahrungen sind in den „besten Jahren“ vermutlich eher möglich als mit siebzehn. Das Bindungshormon Oxytocin, das bei der körperlichen Liebe vermehrt produziert wird, ist auch dann wirksam, wenn es nicht zum Orgasmus kommt. Bei reifen Menschen wirkt es sogar sieben Mal so lange nach als in jungen Jahren. Ende gut, alles gut.

 

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